Life-Saving Rules

Der Ursprung des Ausdrucks “Life-Saving Rules”, also der lebensrettenden Regeln, liegt in der Öl- und Gasindustrie: Die Mitgliedsunternehmen der International Association of Oil & Gas Producers (IOGP) haben die Bedeutung von einfachen, konsistenten Informationen über wesentliche Risiken und Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz erkannt, woraufhin die IOGP Jahr 2010 eine Reihe von Life-Saving Rules in der Öl- und Gasindustrie veröffentlichte.

Die Life-Saving Rules wurden aus Analysedaten basierend auf 1484 tödlichen Unfällen und 1173 Ereignissen mit hohem Gefährdungspotenzial aus den Jahren 1999 bis 2010 abgeleitet, da sie insbesondere tödliche Arbeitsunfälle verhindern sollten. Eine Überarbeitung in 2018 sollte die Übertragbarkeit über Unternehmen hinweg verbessern; die Themenauswahl wurde anhand von ARPEL-, CONCAWE-, NIOSH- und OSHA-Daten überprüft.

Von den Life-Saving Rules profitierten in der Öl- und Gasindustrie neben den Unternehmen vor allem die unternehmensübergreifend eingesetzten Fremdfirmen: Über 80 % der Arbeitsstunden und etwa 80 % der Todesfälle entfallen auf Beschäftigte von Partnerfirmen (Abb.). Von diesen wird erwartet, dass sie für jeden Kunden die individuellen Prozessanforderungen kennen, obwohl Tätigkeiten und Risiken im Wesentlichen gleich sind.
Die Standardisierung der Life-Saving Rules hat in der gesamten Branche für mehr Transparenz, Effizienz und Sicherheit gesorgt.

Eine Analyse der IOGP zeigt auf, dass durch die Einhaltung der Life-Saving Rules seit 2008 mehrere hundert Menschenleben hätten gerettet werden können.

Life-Saving Rules
Abb.: Der IOGP gemeldete tödliche Unfälle (2008-2017) und zugrunde liegende Arbeitsstunden (IOGP, 2018)

Zielsetzung der Life-Saving Rules

Die Life-Saving Rules sind nicht dazu gedacht, alle Risiken und Gefahren der Branche abzubilden, sondern Ziel ist es

  • lebensrettende Maßnahmen zu definieren, die einzelne Personen ergreifen und kontrollieren können, um sich selbst und ihre Kollegen zu schützen – ganz gleich an welchem Arbeitsplatz,
  • Regeln zu erstellen, die für die gesamte Branche – zum Schutz vor potentiell tödlichen Arbeitsunfällen – relevant und anwendbar sind.

 

Die Regeln unterstützen bestehende Managementsysteme und sollen diese nicht ersetzen. Es wird vorausgesetzt, dass der Rahmen eines Managementsystems mit Strategie, Schulungsprogramm, Verfahrens- und Arbeitsanweisungen existiert. Mit den Life-Saving Rules wird ein spezieller Fokus auf tödliche Risiken gelenkt.

Die Standardisierung der Life-Saving Rules:

  • Ermöglicht eine bessere Weitergabe von Wissen, Erfahrungen und Erkenntnissen,
  • Erhöht das individuelle Bewusstsein für kritische Schutzmaßnahmen,
  • Schafft eine branchenweite gemeinsame Sicherheitssprache,
  • Verbessert die Transparenz und erlaubt eine einheitliche Anwendung durch Partnerfirmen und Beschäftigte.

Die 9 Life-Saving Rules

9 Themen werden von den standardisierten Regeln abgedeckt. Jede wird durch ein eindeutiges und eingängiges Symbol repräsentiert :

  • Außerbetriebnahme von Sicherheitseinrichtungen (Bypassing Safety Controls),
  • Enge Räume (Confined Spaces),
  • Führen von Fahrzeugen (Driving),
  • Energie-Freischaltung (Energy Isolation),
  • Heißarbeiten (Hot Work),
  • Im Gefahrenbereich (Line of Fire),
  • Sicheres mechanisches Heben (Safe Mechanical Lifting),
  • Arbeitserlaubnis (Work Authorization) und
  • Arbeiten in der Höhe (Working at Height)

Der Vorteil liegt in der Standardisierung, daher sollten die Regeln unverändert übernommen werden. Bei abweichenden betrieblichen Risikoprofilen, bei denen die Regeln nicht alle tödlichen Risiken einer Organisation abdecken, empfiehlt die IOGP, diese zusätzlichen in bestehende Managementsysteme zu integrieren, z. B. durch Kampagnen, Schulungen und die Einbeziehung der Belegschaft. Wichtig ist es, keine zusätzlichen oder abweichenden Life-Saving Rules zu schaffen.

Gut zu wissen

Statt Life-Saving Rules wird manchmal auch der Begriff “Goldene (Sicherheits-)Regeln” verwendet.

Alles zu den Life-Saving Rules und jede Menge unterstützendes, kostenfreies Material gibt es bei der IOGP. Übersetzungen aus dem Englischen gibt es auch, diese müssen aber ggf. angefordert werden. Auf der Seite findet ihr auch weiterführende Informationen, sowohl zu den Life-Saving Rules, als auch zu den Start-Work Checks. Start-Work Checks ermöglichen es den Beschäftigten, sich unmittelbar vor Arbeitsbeginn zu vergewissern, dass lebensrettende Schutzmaßnahmen vorhanden undfunktionstüchtig sind.

Quelle: International Association of Oil & Gas Producers IOGP (2018): Report 459, Life-Saving Rules, abgerufen von https://www.iogp.org/workstreams/safety/safety/life-savingrules/#SWC

Danke! Für das Originalfoto an Jude Mack auf Unsplash.

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