Human & Organizational Performance – HOP

Die Sicherheitsarbeit besteht häufig darin, die Risiken am Arbeitsplatz durch Systeme und Verfahren zu kontrollieren. Diese traditionelle Sicht der Sicherheit vernachlässigt oft eine Bedingung, die nicht so einfach kontrolliert werden kann: Den Menschen. Der Ansatz Human und Organizational Performance oder “HOP”, d.h. menschliche und organisatorische Leistungsfähigkeit, erkennt an, dass Menschen fehleranfällig sind und sich daher trotz aller Bemühungen nicht immer systemkonform verhalten. HOP verfolgt das Ziel, aus Fehlern zu lernen, um fehlertolerante, resiliente Arbeitssysteme aufzubauen.

Was ist HOP?

HOP erzeugt eine Kultur, in der Sicherheit und Leistungsverbesserung Vorrang haben. Dies kann durch Prinzipien wie kontinuierliches Lernen und kontinuierliche Verbesserung, offene Kommunikation und einen nicht sanktionierenden Ansatz bei der Meldung von Fehlern und Vorfällen erreicht werden.

Damit dies gelingt, wird das Glaubenssystem mit Hilfe von 5 Prinzipen beeinflusst. Man möchte ein Verständnis der Realität des Arbeitsalltags aus der Sicht der Beschäftigten erhalten. Mitgefühl, Respekt und Anerkennung menschlicher Stärken sollen gestärkt werden. Das soll zu widerstandsfähigeren Prozessen führen, die sich von vorhersehbaren und unvorhergesehenen Störungen zügig erholen können.

Die 5 Prinzipien von HOP

wirken zusammen, prägen und beeinflussen die Art und Weise, wie Organisationen denken, handeln, Erfolg wahrnehmen und auf Misserfolg reagieren:

Prinzip 1: Menschen machen Fehler

Das erste Prinzip besteht darin, zu akzeptieren, dass Menschen Menschen sind und Fehler machen. Das bedeutet nicht, dass Fehler wünschenswert sind, aber es bedeutet, dass Fehler normal sind. Menschen vergessen Dinge. Menschen sind manchmal unaufmerksam. Anstatt sich darauf zu konzentrieren, Fehler zu vermeiden, wird die Tatsache, dass Menschen Fehler machen, akzeptiert. Es werden fehlertolerante Systeme aufgebaut.

Prinzip 2: Schuldzuweisungen bringen nichts

Wenn etwas schief geht, neigen Menschen dazu, nach einfachen Erklärungen zu suchen. Es ist eine normale menschliche Reaktion – jedoch nicht sehr hilfreich. Unfälle werden nicht dadurch ungeschehen, dass ein Schuldiger gefunden wird. Diejenigen, die in Unfälle und Zwischenfälle verwickelt sind, spielen eine wichtige Rolle im Lernprozess. Schuldzuweisungen unterbinden Kommunikation und verhindern den Lernprozess.

Prinzip 3: Der Kontext bestimmt das Verhalten

Warum verhalten sich Menschen so, wie sie es tun? Beschäftigte gehen nicht zur Arbeit, um sich oder anderen Schaden zuzufügen. Sie gehen nicht zur Arbeit, um ihrem Vorgesetzten den Tag zu verderben oder Betriebsmittel zu beschädigen. Es ist wichtig zu verstehen, warum Beschäftigte, z.B. im Falle eines Zwischenfalls, dachten, ihre Handlung sei sinnvoll und richtig. HOP möchte herausfinden, welche organisatorischen Einflüsse die Entscheidungen und unsicheren Handlungen begünstigen, um die Rahmenbedingungen und damit das Arbeitssystem zu verbessern.

Prinzip 4: Lernen ist überlebenswichtig

Das vierte Prinzip von HOP ist, in jeder Situation zu lernen, anhand von negativen Ereignissen und im Rahmen der täglichen Arbeit. Die meisten Elemente eines Zwischenfalls und der normalen Arbeit sind gleich. Hier eignen sich insbesondere die Learning Teams dazu, zusammen mit den Mitarbeitern zu erarbeiten, wo sich die blaue Linie, d.h. die Diskrepanz zwischen Work-as-Imagined (planned) und Work-as-Done (in practise) befindet.

HOP
Die blaue Line: Diskrepanz zwischen Work-as-Imagined und Work-as-Done

Prinzip 5: Die Reaktion auf Fehler ist entscheidend

Was passiert in Ihrem Unternehmen, wenn etwas schief geht? Wird das Scheitern als Chance gesehen oder als Vorbote des organisatorischen Zusammenbruchs? Strafe verbirgt Fehler – Offenheit fördert das Lernen aus Fehlern. Wenn Führungskräfte in einer Organisation daran arbeiten, ihre Reaktion auf Fehler und Misserfolge zu steuern, so schaffen sie ein Umfeld, in dem Beschäftigte lernen, sich entwickeln und wachsen.

 Gut zu wissen

Die Prinzipien von HOP basieren auf derselben Philosophie, die zur Verbesserung des Designs von Autos beigetragen hat. In den 1950er Jahren schützten uns Autos kaum vor eigenen Fehlern; es gab weder Sicherheitsgurte noch Airbags. Bei einem Frontalaufprall wurde die Lenksäule durch die Brust des Fahrers und der Motor in seinen Schoß geschleudert. Heute werden Autos unter der Annahme konstruiert, dass der Fahrer im System versagt und das Auto einen Unfall erleidet. Dieser Gedanke hat zu technologischen Fortschritten geführt, die im Laufe der Jahre die Möglichkeit des Fahrers verbessert haben, einen Unfall sicher zu überleben – trotz der steigenden Geschwindigkeiten und der zunehmenden Anzahl von Autos auf den Straßen.

Danke! Für das Originalfoto an Guilherme Cunha auf Unsplash.

Referenzen:

A. Baker (2018): A Short Introduction To Human And Organizational Performance (HOP) And Learning Teams.
SOUTHPAC INTERNATIONAL (2023): What is HOP?

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